Vorstand treibt Umbau energisch voran
"Es ist bereits viel erreicht worden, es werden aber noch einige harte Schnitte notwendig sein," kommentierte Vorstandsvorsitzender Karel de Vries die Zwischenbilanz des laufenden Restrukturierungsprogramms bei der Berliner Herlitz AG vor der Presse. Die bisher erzielten Kostenreduzierungen lägen über dem ursprünglichen Plan. Dennoch seien zusätzliche Maßnahmen geplant, um mittelfristig eine akzeptable Umsatzrendite zu erzielen. Kurzfristiges Ziel sei es nach wie vor, im Jahr 2000 die Verlustzone zu verlassen. "Die allgemeine Konsumzurückhaltung, die verstärkte Discountorientierung und die starke Konzentration sowie Internationalisierung im Handel lassen leider die Erfolge unserer Restrukturierung nicht so schnell sichtbar werden, wie wir es gehofft hatten," stellte de Vries fest.
Festhalten werde das Unternehmen an der Strategie, sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Dabei liegt der Fokus deutlich auf IT-gestützten Marketing- und Dienstleistungsangeboten. De Vries: "Wir entwickeln uns von einem Produzenten zu einem Marketing- und Dienstleistungsunternehmen." Mit der Immobiliengesellschaft Herlitz Falkenhöh AG ist im Sommer die letzte konsolidierte Beteiligung außerhalb des Geschäftes mit Papier-, Büro- und Schreibwaren (PBS) veräußert worden.
Eine unbestrittene Stärke von Herlitz liegt im sogenannten Category Management. Von der Sortimentsplanung bis zur Regalpflege übernimmt das Unternehmen für seine Partner im Handel die Betreuung des gesamten PBS-Bereichs. Hier ist es gelungen, die führende Position in den letzten Monaten noch auszubauen. Marketing- und Vertriebsvorstand Jürgen Schlebrowski nannte als Beispiel die Kooperation mit BIC, dem Weltmarktführer für Schreibgeräte. BIC nutzt die Vertriebsdienstleistungen von Herlitz in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Wesentlich stärker als bisher soll künftig, so Schlebrowski, das Potential der Marke Herlitz genutzt werden. Als einziger Vollsortimenter im deutschen Markt habe Herlitz die Chance, verbraucherorientierte Erlebniswelten zu schaffen und sich so deutlich von Wettbewerbern abzusetzen. Das neugeschaffene Konzernmarketing habe die Aufgabe, durch eine innovative Sortiments- und Produktpolitik die Marke voranzubringen.
Im Zuge des Konzernumbaus stehen alle Fertigungsstandorte und Fertigungszweige auf dem Prüfstand. "Wir werden nur in den Bereichen selber fertigen, in denen wir entweder bereits Kostenführer sind oder wir es in absehbarer Zeit werden können," erklärte Vorstandsvorsitzender de Vries. Es stehe fest, dass die Zahl der Standorte noch im Laufe des nächsten Jahres deutlich verringert werde. Damit einher gehe auch ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen. Neben der Konzentration auf wenige Standorte im Inland wird auch die Verlagerung lohnintensiver Produktionszweige nach Polen und Tschechien zur Kostenentlastung beitragen.
Nach der bereits erfolgten Zusammenfassung der Logistik im Raum Berlin ist die Zusammenlegung der Fertigungsstandorte der zweite wichtige Schritt zur Straffung der Abläufe im Unternehmen. Herlitz könne so die Skaleneffekte wesentlich besser nutzen als bisher.
Auch die Vertriebsorganisation ist deutlich gestrafft worden. Wie Jürgen Schlebrowski erläuterte, wurde eine einheitliche Flächenorganisation für alle modernen Vertriebsformen geschaffen. Die Besuchsfrequenz des Außendienstes kann so bei verringerten Leerzeiten deutlich erhöht werden. Bereits weit vorangetrieben wurde die Modernisierung der gesamten IT-Infrastruktur. Basierend auf der erfolgreich eingeführten Standardsoftware SAP R/3 wird die Informationstechnik zu einem wesentlichen Element der künftigen Unternehmensstruktur.
In den Vordergrund wird dabei in den nächsten Jahren die enge Vernetzung mit den Systemen des Handels rücken. Herlitz leistet hier Pionierarbeit und hat zum Beispiel in Pilotprojekten die direkte Auswertung von Scannerkassen-Daten des Handels durch den Hersteller erprobt. "Dadurch rücken wir noch näher an den Markt und den Kunden heran und können den Handel mit differenzierten Dienstleistungsangeboten unterstützen," erläutert Jürgen Schlebrowski den Hintergrund dieser Aktivitäten. Gleichzeitig werden dadurch Prozesse gestrafft und Kosten gesenkt.
Insgesamt erwarte Herlitz, so Vorstandsvorsitzender de Vries abschließend, im Jahr 2000 durch die angelaufenen Maßnahmen Kostensenkungen von rund 70 Millionen Mark. Im Jahr 2001 sollen es rund 100 Millionen Mark sein. Ziel sei es nach wie vor, im Jahr 2000 die Verlustzone zu verlassen.
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Babette Erkens
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